Montag, 23. März 2015

Tillys ganze Geschichte

Im Dezember 2013 betrat ich einen großen Reitstall in Dortmund, um mir die Friesenstute Eefje S. anzusehen.
Ich ging an den Boxen vorbei und suchte nach einem Friesen. Dann plötzlich blitzen mich zwei dunkle Augen an.
Schon in dem Moment hatte ich mich verliebt und entschieden, obwohl ich in der dunklen Box tatsächlich nur die Augen erkennen konnte.
Der Rest von Eefje sprach mich noch nicht mal wirklich an aber ich war eben nicht auf der Suche nach irgendeinem Pferd, sondern genau nach DEM Pferd.

Wie schon geschrieben war die Box dunkel und vollständig von Gittern umschlossen. Eefje kam schon ein paar Monate nicht mehr raus, da dies extra gekostet hätte.
Das einzige Heileid am Tag war wohl die Fütterung, denn sonst kam sie nur 1x am Tag zum Longieren raus.  Dementsprechend benahm sie sich auch. Auf der Stallgasse war sie unruhig, lief Menschen stumpf um und scharrte nicht nur, wenn gefüttert wurde.

Der Tag sollte wohl jener sein, an dem Tilly nicht mehr durch viele Hände gereicht werden würde. Mit ihren damaligen 4 Jahren hatte sie nämlich schon 5 Besitzer. Den Züchter, eine mir unbekannte Frau, ein Mädchen, eine weitere Frau (sie wollte Tilly nicht mehr, da die Tochter ein Turnierpferd wollte) und die offizielle Verkäuferin (nahm sie gegen ein Turnierpferd in Zahlung).
Ich hatte die Möglichkeit Eefje ein paar Tage lang kennenzulernen. Sie war schon recht ungezogen im Umgang, sowohl beim Longieren als auch beim Führen und Putzen. Nach einem Proberitt bestätigte dennoch ein wunderbares Gefühl, dass Eefje DAS Pferd sein muss. Nach der AKU nahm ich sie also mit zu mir in einen Offenstall mit Herde oder auch in das Erziehungscamp (es war ein riesen Glücksgefühl Eefje aus diesem Käfig zu holen).

Am neuen Stall zeigte Tilly dann erst mal ihr wahres ich. Sie latschte wahrlos Leute um, scharrte und beim Spazieren zog sie mich hinter sich her. Kurzum: Erziehung = Fehlanzeige.
Gut, dass ich an einem Westernstall mit viel Wissen von " Problempferden" war. Es war viel Bodenarbeit angesagt und alle achteten darauf Eefje stets wegzuschicken. So bekam sie auch ihren jetzigen Namen Tusnelda bzw. jetzt liebevoll Tilly. Nach ein paar Wochen begann ich mit dem Longieren. Sie drehte sich oft um, sodass sie einen anschauen konnte (es wirkte schon wie ein Angriff). Das bekam ich im Schritt und Trab noch in den Griff bei dem Galopp brauchte ich, nach ewiger Verzweifelung, Hilfe von meiner Reitlehrerin (an das Umdrehen denkt sie mittlerweile nicht  mal mehr).

Dann ging es an das Reiten und ich muss sagen es war eine Katastrophe. Sie ging nur zum Tor, bockte beim Anreiten oder auch beim Übergang zum Trab. Hatte man die ersten paar Minuten überwunden ging es dann etwas besser. Man merke auch hier, dass sie wohl mit dem Verhalten weitergekommen sein musste. Ich biss mich da Tag für Tag durch bis zu dem Tag als sie auch noch anfing unter mir zu steigen. Sie kam richtig hoch und das war auch einer der Momente, wo ich Angst vor ihr bekam und fast verzweifelt bin. Das Steigen wiederholte Sie auch noch bei meiner Reitlehrerin, die sie zwecks Zeit 1x die Woche übernahm. Danach hatte ich einen riesigen Respekt vor ihr. Das ständige Bocken war schon unerträglich aber das machte mir wirklich Angst.
Glücklicherweise überredeten mich die anderen gleich am nächsten Tag mit ins Gelände zu gehen. Im Gelände war sie schon immer ganz gut. Nur Trecker machen ihr Angst. Weiterhin erweiterte ich die Bodenarbeit und schickte sie ganz viel weg, getreu dem Motto "ich will genau den Platz, den du gerade hast". Das erwiderte sie, aufmüpfig wie sie war, gerne mit dem Treten in Richtung Mensch. Ich beschloss auch noch komplett neu anzufangen und mit dem Westernreiten zu beginnen.

So kaufte ich einen neuen Westernsattel und nahm Unterricht. Trailaufgaben halfen mir ab dem Zeitpunkt eine Aufgabe zu haben, wenn es brenzlig wurde und ich lernte, dass Pferde nicht steigen können, wenn sie gebogen sind. Damit hatte ich einen Notfallplan und das Steigen gehört seitdem der Vergangenheit an. Bocken tat sie aber manchmal noch und gebissen hatte sie inzwischen auch. Auch Buckeln beim Galoppieren war an der Tagesordnung.

Ich trainierte immer weiter und weiter und musste irgendwann erkennen, dass die Winkelung der Bars nicht mehr passte. Der verkaufende Sattler war auch nach ständigem Anrufen nicht bereit sich das anzusehen, sodass ich beschloss einen neuen Sattel bei Margit Zippold zu bestellen. Dann fuhr ich ein paar Wochen in den Urlaub und als ich wieder kam schien sich Tilly tatsächlich zu freuen. Sie kam immerzu, wenn ich sie rief, angaloppiert. Dann kam auch der neue Sattel und seitdem hat Tilly nicht mehr gebockt und auch das Buckeln ist deutlich weniger geworden.

Ein paar Wochen später musste Tilly leider umziehen, da mir die Fütterung in dem Stall nicht mehr gefiel. Sie kam in einen anderen Offenstall und wurde auch dort das rangniedrigste Pferd. Nach anfänglichen Unsicherheiten übten weiter und wurden immer besser. Seit 2 Wochen klappt nun auch der Linksgalopp, sie geht seitwärts über Stangen und man kann auch Anfänger, wie meinen Freund auf sie setzen.  Sogar im Gelände geht sie vor.

Noch oft denke ich mit meiner Reitlehrerin an meine erste Reitstunde, in der wir nicht mal mehr in der Lage waren eine Runde zu Traben. Nun werde ich dieses Jahr tatsächlich an zwei Turnieren teilnehmen können. Ich bin so stolz auf Tilly und mich, dass wir das zusammen geschafft haben. Sie ist genau DAS Pferd für mich und sie wird bis an ihr Lebensende bei mir bleiben dürfen.
Wie du gesagt hast, ist Tilly ein sensibles Pferd. Sie hat mir viel beigebracht z.B. Geduld ohne sauer zu werden, denn wenn man bei Tilly sauer wird, funktioniert nichts mehr.

Ein paar Monate nach dem Kauf meldete sich das Mädchen, der sie vorher gehört hat. Sie bestätigte all ihre Unarten und hatte hinterher auch Angst vor ihr, sodass sie Tilly abgeben musste. Sie muss dort mit den Dingen durchgekommen sein, die sie so lange machte. Bald möchte das Mädchen Tilly einmal besuchen. Ich bin gespannt.

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