Im Dezember 2013 betrat ich einen großen Reitstall in Dortmund, um mir die Friesenstute Eefje S. anzusehen.
Ich ging an den Boxen vorbei und suchte nach einem Friesen. Dann plötzlich blitzen mich zwei dunkle Augen an.
Schon in dem Moment hatte ich mich verliebt und entschieden, obwohl ich
in der dunklen Box tatsächlich nur die Augen erkennen konnte.
Der Rest von Eefje sprach mich noch nicht mal wirklich an aber ich war
eben nicht auf der Suche nach irgendeinem Pferd, sondern genau nach DEM
Pferd.
Wie schon geschrieben war die Box dunkel und vollständig von Gittern
umschlossen. Eefje kam schon ein paar Monate nicht mehr raus, da dies
extra gekostet hätte.
Das einzige Heileid am Tag war wohl die Fütterung, denn sonst kam sie
nur 1x am Tag zum Longieren raus. Dementsprechend benahm sie sich auch.
Auf der Stallgasse war sie unruhig, lief Menschen stumpf um und
scharrte nicht nur, wenn gefüttert wurde.
Der Tag sollte wohl jener sein, an dem Tilly nicht mehr durch viele
Hände gereicht werden würde. Mit ihren damaligen 4 Jahren hatte sie
nämlich schon 5 Besitzer. Den Züchter, eine mir unbekannte Frau, ein
Mädchen, eine weitere Frau (sie wollte Tilly nicht mehr, da die Tochter
ein Turnierpferd wollte) und die offizielle Verkäuferin (nahm sie gegen
ein Turnierpferd in Zahlung).
Ich hatte die Möglichkeit Eefje ein paar Tage lang kennenzulernen. Sie
war schon recht ungezogen im Umgang, sowohl beim Longieren als auch beim
Führen und Putzen. Nach einem Proberitt bestätigte dennoch ein
wunderbares Gefühl, dass Eefje DAS Pferd sein muss. Nach der AKU nahm
ich sie also mit zu mir in einen Offenstall mit Herde oder auch in das
Erziehungscamp (es war ein riesen Glücksgefühl Eefje aus diesem Käfig zu
holen).
Am neuen Stall zeigte Tilly dann erst mal ihr wahres ich. Sie latschte
wahrlos Leute um, scharrte und beim Spazieren zog sie mich hinter sich
her. Kurzum: Erziehung = Fehlanzeige.
Gut, dass ich an einem Westernstall mit viel Wissen von "
Problempferden" war. Es war viel Bodenarbeit angesagt und alle achteten
darauf Eefje stets wegzuschicken. So bekam sie auch ihren jetzigen Namen
Tusnelda bzw. jetzt liebevoll Tilly. Nach ein paar Wochen begann ich
mit dem Longieren. Sie drehte sich oft um, sodass sie einen anschauen
konnte (es wirkte schon wie ein Angriff). Das bekam ich im Schritt und
Trab noch in den Griff bei dem Galopp brauchte ich, nach ewiger
Verzweifelung, Hilfe von meiner Reitlehrerin (an das Umdrehen denkt sie
mittlerweile nicht mal mehr).
Dann ging es an das Reiten und ich muss sagen es war eine Katastrophe.
Sie ging nur zum Tor, bockte beim Anreiten oder auch beim Übergang zum
Trab. Hatte man die ersten paar Minuten überwunden ging es dann etwas
besser. Man merke auch hier, dass sie wohl mit dem Verhalten
weitergekommen sein musste. Ich biss mich da Tag für Tag durch bis zu
dem Tag als sie auch noch anfing unter mir zu steigen. Sie kam richtig
hoch und das war auch einer der Momente, wo ich Angst vor ihr bekam und
fast verzweifelt bin. Das Steigen wiederholte Sie auch noch bei meiner
Reitlehrerin, die sie zwecks Zeit 1x die Woche übernahm. Danach hatte
ich einen riesigen Respekt vor ihr. Das ständige Bocken war schon unerträglich aber das machte mir wirklich Angst.
Glücklicherweise überredeten mich die anderen gleich am nächsten Tag mit
ins Gelände zu gehen. Im Gelände war sie schon immer ganz gut. Nur
Trecker machen ihr Angst. Weiterhin erweiterte ich die Bodenarbeit und
schickte sie ganz viel weg, getreu dem Motto "ich will genau den Platz,
den du gerade hast". Das erwiderte sie, aufmüpfig wie sie war, gerne mit
dem Treten in Richtung Mensch. Ich beschloss auch noch komplett neu
anzufangen und mit dem Westernreiten zu beginnen.
So kaufte ich einen neuen Westernsattel und nahm Unterricht.
Trailaufgaben halfen mir ab dem Zeitpunkt eine Aufgabe zu haben, wenn es
brenzlig wurde und ich lernte, dass Pferde nicht steigen können, wenn
sie gebogen sind. Damit hatte ich einen Notfallplan und das Steigen
gehört seitdem der Vergangenheit an. Bocken tat sie aber manchmal noch
und gebissen hatte sie inzwischen auch. Auch Buckeln beim Galoppieren
war an der Tagesordnung.
Ich trainierte immer weiter und weiter und musste irgendwann erkennen,
dass die Winkelung der Bars nicht mehr passte. Der verkaufende Sattler
war auch nach ständigem Anrufen nicht bereit sich das anzusehen, sodass
ich beschloss einen neuen Sattel bei Margit Zippold zu bestellen. Dann
fuhr ich ein paar Wochen in den Urlaub und als ich wieder kam schien
sich Tilly tatsächlich zu freuen. Sie kam immerzu, wenn ich sie rief,
angaloppiert. Dann kam auch der neue Sattel und seitdem hat Tilly nicht
mehr gebockt und auch das Buckeln ist deutlich weniger geworden.
Ein paar Wochen später musste Tilly leider umziehen, da mir die
Fütterung in dem Stall nicht mehr gefiel. Sie kam in einen anderen
Offenstall und wurde auch dort das rangniedrigste Pferd. Nach
anfänglichen Unsicherheiten übten weiter und wurden immer besser. Seit 2
Wochen klappt nun auch der Linksgalopp, sie geht seitwärts über Stangen
und man kann auch Anfänger, wie meinen Freund auf sie setzen. Sogar im
Gelände geht sie vor.
Noch oft denke ich mit meiner Reitlehrerin an meine erste Reitstunde, in
der wir nicht mal mehr in der Lage waren eine Runde zu Traben. Nun
werde ich dieses Jahr tatsächlich an zwei Turnieren teilnehmen können.
Ich bin so stolz auf Tilly und mich, dass wir das zusammen geschafft
haben. Sie ist genau DAS Pferd für mich und sie wird bis an ihr
Lebensende bei mir bleiben dürfen.
Wie du gesagt hast, ist Tilly ein sensibles Pferd. Sie hat mir viel
beigebracht z.B. Geduld ohne sauer zu werden, denn wenn man bei Tilly
sauer wird, funktioniert nichts mehr.
Ein paar Monate nach dem Kauf meldete sich das Mädchen, der sie vorher
gehört hat. Sie bestätigte all ihre Unarten und hatte hinterher auch
Angst vor ihr, sodass sie Tilly abgeben musste. Sie muss dort mit den
Dingen durchgekommen sein, die sie so lange machte. Bald möchte das
Mädchen Tilly einmal besuchen. Ich bin gespannt.
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